Stilwelten


Stilwelten

In jeder Epoche entstanden in der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin stilprägende Porzellanentwürfe, die weit über ihre Zeit hinausweisen. Noch heute begeistern die ausgewogenen Proportionen der Service aus der Anfangszeit im Rokoko.

Das 1790 entstandene KURLAND folgt der klaren Linienführung des Klassizismus. Ab 1930 weht der Geist des Bauhauses durch die Manufaktur und schafft in Entwürfen wie URBINO die perfekte Symbiose aus Form und Funktion. Neue Wege weist das mit dem iF Design Award ausgezeichnete Service BERLIN von Enzo Mari.

Königliche Pracht

Königliche Pracht

Unter Friedrich dem Großen ist die preußische Metropole Berlin ein Zentrum politischer Macht, geprägt von den führenden geistigen und kulturellen Strömungen seiner Zeit. In diesem Umfeld entsteht die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin und gewinnt sogleich das Profil, das sie noch heute zu einer in aller Welt geschätzten Institution macht. Von Anfang an entstehen in der KPM richtungsweisende Entwürfe von zeitloser Schönheit, wie die vielen noch heute produzierten Porzellane aus allen Stilepochen belegen.

Zur Zeit des Rokoko werden asymmetrische Ornamente – Rocaillen, vom französischen Wort für Muschel- und Rankenwerk – zum beherrschenden Stilmittel. Am friderizianischen Hof gibt man sich ganz der französischen Lebensart hin: Höhepunkte des gesellschaftlichen Lebens sind die Flötenkonzerte auf Schloss Sanssouci, und die Soireen, deren festlich gedeckte Tafeln das Porzellan aus der Königlichen Manufaktur schmückt. 21 reich dekorierte Service mit bis zu 450 Einzelteilen lässt Friedrich für seine Schlösser fertigen.

Zu den zahlreichen Entwürfen des Modellmeisters Friedrich Elias Meyer aus der Zeit des friderizianischen Rokoko gehören drei Formen, die noch heute gefertigt werden: NEUOSIER, NEUZIERAT und ROCAILLE haben alle Epochen überdauert und begeistern nach wie vor durch ihre ausgewogenen Proportionen und farbenprächtigen Dekore.

Klassische Eleganz

Klassische Eleganz

Als Antwort auf das verspielte Rokoko mit seinen asymmetrischen Ornamenten strebt der Klassizismus mit antiken Formen, klaren Konturen und kühlen Farben nach ästhetischer Vollkommenheit. Bedeutende Vertreter der neuen Stilrichtung, wie der Architekt Karl Friedrich Schinkel sowie die Bildhauer Johann Gottfried Schadow und Christian Daniel Rauch schaffen für die KPM Figuren, Vasen und Gefäße, die in ihrer eleganten Erscheinung und ästhetischen Vollkommenheit beispielhaft sind.

Die figürlichen Porzellane aus dieser Zeit werden vorzugsweise aus Biskuitporzellan gefertigt, das mit seiner unglasierten Oberfläche fast wie Marmor aussieht. Ein besonders schönes Beispiel ist die 1795 aus Anlass einer königlichen Doppelhochzeit geschaffene PRINZESSINNENGRUPPE von Johann Gottfried Schadow. Für den Herzog Peter Biron von Kurland fertigt die KPM um 1790 im klassizistischen Stil ein vielteiliges „Service mit antiquer Kanthe“, das später zu seinen Ehren in KURLAND umbenannt wird.

Florale Phantasie

Florale Phantasie
Florale Phantasie
Florale Phantasie

In der Abkehr vom Historismus mit seinem Rückgriff auf vergangene Stilepochen strebt der Jugendstil um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, mit geschwungenen Linien und floralen Ornamenten nach neuen dekorativen Gestaltungsmöglichkeiten. In England fordern die Mitglieder der Arts-and-Crafts-Bewegung die Wiedervereinigung von Kunst und Kunsthandwerk.

In der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin entwickelt Hermann Seger neue Glasuren. Seine von chinesischen Keramiken inspirierten Ochsenblut-, Seladon- sowie Kristall- und Laufglasuren erlauben neue künstlerische Ausdrucksformen und machen ihn zu einem Wegbereiter des Jugendstils. 1912 entwirft Theodor Schmuz-Baudiss zum 150. Jubiläum der KPM das Service CERES, dessen Zusammenspiel aus Form und Dekor auch hundert Jahre später noch seinen ganz besonderen ästhetischen Reiz ausmacht.

Form und Funktion

Form und Funktion
Form und Funktion
Form und Funktion
Form und Funktion

Dass die Form der Funktion folgen soll, ist eine der Hauptforderungen des Deutschen Werkbunds, der sich seit 1907 für die Zweckmäßigkeit alltäglicher Gebrauchsgegenstände einsetzt. Ähnliche Ziele verfolgt das 1919 von Walter Gropius gegründete Bauhaus. In dem Bestreben, Handwerk, Technik und Industrie zu vereinigen, um allen Künsten eine neue ästhetische Qualität zu geben, wird es zum wichtigsten und bis heute wegweisenden Impulsgeber der Moderne.

Werkbund und Bauhaus beeinflussen auch die künstlerischen Konzepte der inzwischen Staatlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Unter ihrem Direktor Günther von Pechmann, dem Begründer der Neuen Sammlung in München und Vorsitzenden des Deutschen Werkbunds, prägen zeitgenössische Künstler wie Gerhard Marcks und Ludwig Gies das moderne Gesicht der Manufaktur. Für ihr 1931 geschaffenes Tafelservice URBINO wird die Gestalterin Trude Petri auf der Pariser Weltausstellung mit dem Grand Prix ausgezeichnet. Zusammen mit den Formen ARKADIA und FELDBLUMENRELIEF AUF BORD vertritt es bei der KPM die Neue Sachlichkeit.

Neue Faszination

Neue Faszination
Neue Faszination
Neue Faszination
Neue Faszination

Ein neues Lebensgefühl entsteht, die Avantgarde ersetzt Überkommenes. Als gegenläufige Tendenzen lösen Asymmetrie und Abstraktion die von strengen Formen geprägte Ästhetik der Neuen Sachlichkeit ab. Die Kunstrichtung des Informel propagiert einen spielerischen Umgang mit der Form im Spannungsfeld von Formauflösung und Formwerdung. 

In den 1950er Jahren öffnet sich auch die Manufaktur den Einflüssen der neuen Zeit. Designer wie Siegmund Schütz, Hubert Griemert und Wolf Karnagel entwickeln in der Porzellangestaltung eine neue Formensprache. Abstrakte Malereidekore verweisen auf den Einfluss der gegenstandslosen Malerei.

Der KPM gelingt es, namhafte Künstler wie Ben Wargin, Bernd Zimmer und Emil Schumacher für Projekte zu gewinnen. Seit ihren Anfängen verfolgt sie das Ziel, neue Entwicklungen und Strömungen in ihr Programm aufzunehmen. Umgekehrt bietet der faszinierende Werkstoff Porzellan Künstlern immer wieder neue Ausdrucksmöglichkeiten für die Umsetzung ihrer Ideen. In den 1990er Jahren entsteht in der KPM-Werkstatt in Zusammenarbeit mit dem italienischen Designer Enzo Mari eine Vasenkollektion und das multifunktionale Service BERLIN.